Arrival

In dem Film Arrival von Denis Villeneuve landen eine Reihe von Ufos in verschiedenen Ländern der Erde. Die Wissenschaftlerin aus den Sprachwissenschaften soll Kontakt zu den Außerirdischen aufnehmen und herausfinden, was diese wollen. Was ich an dem Film mag:

Die Ufos

Es sind keine fancy Ufos mit 1.000 Knöpfen und Lampen. In Arrival sind sie schlicht und simpel gehalten und haben eine einfache Form. Sie wirken so, als hätte Apple ihr Design entwickelt.

Die Aliens

Ich wähle Filme allein danach aus, ob sie eine gute Bewertung bei Rotten Tomatoes haben oder nicht. Um so unvoreingenommen wie möglich in einen Film hineinzugehen, lese ich vorher keine Kritiken. Ich ignoriere Werbetrailer, Plakate und so weiter.

Als mir klar wurde, dass es sich um einen Film mit Aliens handelt, bekam ich Angst. Ich hatte die Befürchtung, dass die Aliens so schleimige Wesen sind, die dem Film jede Ernsthaftigkeit rauben. Das war unbegründet. Arrival deutet die Wesen nur im Nebel an und umgeht somit dieses Problem.

Ein doppelter Hitchcock

Erstens. Wann immer eine Zeitbombe in einem Film auftaucht, von der die Figuren nichts wissen, muss man an Hitchcock denken. Denn das ist sein klassisches Beispiel für den Aufbau von Spannung: Leute sitzen um einen Tisch herum, unterhalten sich angeregt und unter dem Tisch tickt eine Zeitbombe, von der niemand etwas mitbekommen hat.

Zweitens. Das Ufo kommt und der Zuschauer wird Zeuge, wie sich auf der Welt eine gefährliche Eigendynamik entwickelt. Der chinesische General Shang will angreifen, andere Staaten ziehen nach und wieder andere wollen dies vermeiden. Der Film zeigt, wie sich das Militär irrational in etwas hineinsteigern, was andere Staaten dazu zwingt, zu reagieren.

So deutet sich ein Konflikt an, der die Welt ins Chaos stürzen könnte. Aber eigentlich gibt es keinen Grund dafür, denn die Aliens machen nichts, außer zu existieren und mit der amerikanischen Wissenschaftlerin zu kommunizieren. Sie sind friedlich und stellen keine Gefahr dar.

MacGuffin-Definition nach Wiki: „MacGuffin (auch: McGuffin) ist der von Alfred Hitchcock geprägte Begriff für mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film meist dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Nutzen zu sein.“

Das Motiv der Aliens

Die Spezies kommt zur Erde, um der Menschheit ein Geschenk zu geben, das in 3.000 Jahren dazu führt, dass die Menschen die Spezies retten kann. Das Geschenk ist ihre Sprache, die die zeitliche Dimension aufhebt.

Es verwischen Vorher und Nachher. Das Konzept von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird aufgehoben.

Das Menschliche und die Moral

In Arrival befinden sich Staaten im Konflikt. Es geht um Irrationalität, um abstrakte Kategorien wie Zeit, um Sprachwissenschaft.

Und trotzdem hat der Film emotionale Momente. Wie muss es sein, wenn man seine Tochter in jungen Jahren verliert und wenn der Partner einen deshalb verlässt.

Die Gleichzeitigkeit von Vorher und Nachher verstärkt den Effekt. Denn die Frau weiß, dass ihre Tochter nur wenige Jahre leben wird, bevor dieses zur Welt kommt.

Und dadurch ergibt sich eine moralische Dimension: Darf man ein Baby austragen, wenn man weiß, dass es mit sieben Jahren sterben wird?

Das Ende

Die Wissenschaftlerin versteht die Sprache der Aliens und hebt dadurch die Zeit auf.

Sie kann in die Zukunft blicken und erhält dort die Telefonnummer von General Shang. Dieser gibt ihr seine Nummer, weil er erstaunt ist, dass sie angerufen hat und sich an die Nummer nicht mehr erinnert. Damit eröffnete Arrival einen angenehmen Brainteaser.

Ein ähnliches Ende gibt es übrigens in einem Band der Harry-Potter-Reihe: Harry Potter versucht einen Zauberspruch, der ihm bisher noch nie gelungen ist. Der Spruch gelingt ihm nur, weil er in die Zukunft reist und sich selbst dabei beobachtet, wie er ihn bei seinem Versuch erfolgreich hervorbringt. Dadurch bekommt er das nötige Selbstvertrauen, um den Spruch auszuführen. Aber das nur am Rande.

Fazit

Es ist ein toller Film, weil er intellektuell reizt, weil er moralische Fragen aufwirft und darüber hinaus das fundamentale Bedürfnis nach emotionalen Film-Momenten bedient.

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