Schreibtechniken für emotionale Texte

Eine Reihe von Techniken gehören zum Standardrepertoire erfolgreicher Autoren, um emotionale Reaktionen bei den Lesern hervorzurufen. Einige, dieser häufig wiederkehrenden Muster, sollen hier vorgestellt werden:

  • Aus einer falschen Überzeugung handeln
  • Opfer für einen noblen Zweck
  • Falsche Prioritäten
  • Betonung durch ein besonderes Ereignis
  • Eine Figur versucht seine rechtmäßige Position wiederzuerhalten

Aus einer falschen Überzeugung handeln

In Shakespears Meisterwerk Romeo und Julia nimmt Julia ein Gift, das sie in einen todesähnlichen Zustand versetzt, aus dem sie nach 48 Stunden wieder aufwacht. Als ihr Geliebter Romeo, der von dem Gift nichts weiß, sie betäubt findet, denkt er fälschlicherweise, dass sie tot ist. Er bringt sich um. Julia wacht später auf, entdeckt den toten Romeo und nimmt sie sich ebenfalls das Leben.

In Das Leben der Anderen des deutschen Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck verrät die Freundin eines Künstlers das Versteck einer Schreibmaschine an die Geheimpolizei der DDR. Das Versteck befindet sich in der Wohnung eines Künstlers. Wenn der Geheimdienst die Schreibmaschine dort findet, so kann der Künstler als Urheber eines kritischen Textes identifiziert werden, der eindeutig mit diesem Gerät geschrieben worden ist und der im westdeutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel erschienen ist.

Nachdem die Frau aus dem Verhör entlassen wird, wirft sie sich vor einen LKW und stirbt, weil sie fälschlicherweise glaubt, ihren Freund verraten zu haben. Die Mitarbeiter des Geheimdienstes stürmen die Wohnung, in der die Schreibmaschine versteckt sein soll. Das Gerät wurde allerdings entfernt.

Beide Frauen haben sich aus einer falschen Überzeugung und damit umsonst umgebracht, was zu einer starken emotionalen Wirkung beim Zuschauer führt.

 Opfer für einen noblen Zweck

Bei dieser klassischen Technik wird etwas für ein höheres Gut geopfert. Die Figuren befinden sich in einem Dilemma, bei dem es zwei unerwünschte Möglichkeiten gibt. Bei der Wahl des noblen Opfers handelt es sich um das kleinere Übel.

In der amerikanischen Erfolgsserie 24 wird regelmäßig mit dieser Technik gearbeitet. In der 2. Staffel verfügt eine Frau über Informationen, die der Protagonist sofort braucht, um eine Atombombe in Los Angeles zu finden, die Millionen von Amerikanern in den Tod reißen könnte. Jack Bauer ist bei der Frau und die Frau würde Ihre Informationen bereitwillig bereitstellen. Die Frau liegt allerdings im Koma.

Das Dilemma: Wenn sie weiter im Koma liegt, wird sie überleben, weil sie neue Energie tanken kann. In dem Fall explodiert die Atombombe und viele Menschen werden sterben. Wenn die Ärzte sie aus dem Koma holen, dann kann sie Jack Bauer die Information geben. Sie wird dann allerdings sterben, weil sie damit ihre letzten Kraftreserven verbraucht. Jack Bauer entscheidet, die Frau sofort aufzuwecken, um die Information zu erhalten.

Als sie die tickende Bombe später finden, ergibt sich ein neues Dilemma. Wenn die Atombombe da explodiert, wo sie sich gerade befindet, dann sterben Millionen von Menschen. Jack Bauer könnte die Zeit nutzen, um mit der Bombe außer Reichweite zu gelangen. Wenn Jack Bauer sie sofort in die Wüste befördern könnte, dann würden die Großstädte je nach Wind verschont bleiben, der Schaden wäre minimal. Dabei würde er allerdings sein Leben aufs Spiel setzen. Jack Bauer opfert sich und fliegt die Bombe in die Wüste.

In der 4. Staffel von 24 hat der Sohn eines Ministers wichtige Informationen, um die Terroristen zu finden, und will diese unter keinen Umständen preisgeben. Der Vater muss sich entscheiden, ob er seinen Sohn für die Informationen foltert oder ob er auf die Informationen verzichtet und damit unzählige Menschenleben gefährdet. Der Sohn wird dann gefoltert.

Falsche Prioritäten

In Der Vorleser verbrennen etwa 300 Juden in einer Kirche. Eine KZ-Aufseherin, die sie dort eingesperrt hat, gibt als Grund an, dass das Öffnen der Kirchentore zu einer großen Unordnung geführt hätte. Hier wird der falsche Wert priorisiert mit der Folge, dass ein schreckliches Ereignis eintritt.

Eine ähnliche Szene findet sich in dem Erfolgsfilm Titanic von James Cameron. Als das Schiff sinkt, sagt die aus der Elite stammende Mutter der Protagonistin Rose:

Will the lifeboats be seated according to class? I hope they’re not too crowded.

Ein klarer Fall falscher Periodisierung: Wenn man bedenkt, dass es um Leben und Tod geht und dass nicht genug Boote vorhanden sind, um alle Menschen zu retten, verlieren Fragen der Klassenzugehörigkeit und des Komforts ihre Relevanz.

Betonung durch ein besonderes Ereignis

Ein wichtiges Ereignis wird durch ein weiteres Ereignis, das unabhängig ist und außergewöhnlich auftritt, besonders betont. Es kann sich um natürliche Phänomene handeln wie ein Blitz oder ein Erdbeben. Es kann sich auch um einen Stromausfall handeln, wie im folgenden Beispiel aus dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Als er sich nach dem Gebet im Café wieder an den Tisch setzt und sagt, dass Männer Frauen beschützen müssten, weil Frauen schwach seien, fällt im ganzen Stadtviertel das Licht aus (Würger, Takis 2013: Helden — Das satanische Foto. In: Der Spiegel 51 (16. Dezember), S. 53).

Eine Figur versucht seine rechtmäßige Position wiederzuerhalten

In Die Säulen der Erde nimmt die Familie Hamleigh durch einen Trick die Burg des Grafen Bartholomäus ein. Dadurch büßt die Prinzessin Aliena ihre Stellung ein. Auf der Straße versucht sie zu überleben. Ihr langfristiges Ziel ist, ihren alten Besitz und ihre ursprüngliche gesellschaftliche Stellung wiederzuerlangen.

Eine ähnliche Konstellation findet sich in Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin. Eine der zentralen Figuren steht der Thron zu, der ihr zu unrecht genommen wurde. Sie will den alten Zustand wieder herstellen.

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