Wende aus dem Hintergrund

Um einen Wendepunkt mit emotionaler Kraft in einer Geschichte zu erzeugen, kann der Autor Informationen einführen, die den Hintergrund einer Figuren betreffen.

In jedem Text entscheidet der Autor, wann er welche Informationen über eine Figur, die Handlung etc. preisgibt. Figurenbezogene Informationen können das Erscheinungsbild, die Interessen, die Schwächen, den biografischen Hintergrund betreffen und vieles mehr.

Bei den biografischen bis zu einem Zeitpunkt nicht eingeführten Aspekten einer Figur kann man zwischen solchen unterscheiden, die eine unmittelbare Auswirkung auf den Verlauf einer Geschichte besitzen, und solchen, bei denen es sich um ergänzende Zusatzinformationen handelt. Sobald sie nachgetragen werden, verläuft die Erzählung nicht mehr chronologisch.

Im ersten Teil liest sich der Roman Der Vorleser von Bernhard Schlink als Liebesgeschichte zwischen dem Jugendlichen Michael Berg und der 36-jährigen Hanna Schmitz. Die Protagonistin verlässt die Stadt, nachdem sie eine Beförderung bei der Bahngesellschaft angeboten bekommt, ohne sich von Michael Berg zu verabschieden.

Im zweiten Teil geht es zunächst um die Studienjahre von Michael Berg. Er studiert Jura und besucht mit seinem Professor eine Gerichtsverhandlung, bei der es um die Aufklärung der Frage geht, wer die Schuld an dem Tod von etwa 300 Juden in einer Kirche trägt, die gegen Ende des Krieges abgebrannt ist. Hanna Schmitz sitzt mit anderen Wärterinnen auf der Anklagebank. Gemeinsam haben sie den Todesmarsch zur Kirche als KZ-Aufseherin begleitet.

Während die zeitlich-historische Verortung im ersten Teil keine Rolle spielte, rückt die Judenverfolgung im zweiten Teil ins Zentrum der Geschichte. Der biographische Hintergrund der weiblichen Protagonisten entfaltet damit seine Wirkung. Er ist durch das Alter der Frau implizit angelegt und erscheint dadurch plausibel.

Andere Aspekte wie der Geburtsort der Frau, der Besuch eines Kindergartens, die Urlaubsorte in der Kindheit von Hanna Schmitz gehören ebenfalls zum biographischen Hintergrund der Figur. Sie könnten in der Geschichte theoretisch vorkommen, ohne notwendigerweise Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Geschichte zu haben.

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